Zwischen Wiederentdeckung und Meisterwerk
„Bergische Schätze“ eröffnen die 29. Saison der Odenthaler Kammerkonzerte
Ein gut gefüllter Konzertsaal ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso erfreulicher war der Auftakt der 29. Saison der Odenthaler Kammerkonzerte am 13. September: Das Publikum kam zahlreich – und wurde mit einem Programm belohnt, das Bekanntes und zu Unrecht Vergessenes miteinander verband.
Sträßer – die Wiederentdeckung
Eine bergische Wiederentdeckung
Im Mittelpunkt des ersten Konzertteils stand Ewald Sträßer, 1867 im benachbarten Burscheid geboren. Sein Klarinettenquintett op. 34 ist ein Werk, das seine romantische Herkunft nicht verleugnet und dabei weit mehr ist als eine bloße Fußnote der Musikgeschichte.
Vor allem die Klarinettenstimme erwies sich als ausgesprochen reizvoll. Zwischen virtuosen Passagen und weit ausgesungenen, lyrischen Linien zeigte sich die ganze Bandbreite des Werkes. Technische Brillanz trat dabei nie zum Selbstzweck in den Vordergrund; vielmehr entstand ein musikalischer Dialog, in dem sich die Klarinette immer wieder selbstverständlich in den Ensembleklang einfügte.
Humperdinck ergänzen
Sphärische Klänge bei Humperdinck
Auf Sträßer folgte Engelbert Humperdincks Notturno. Nach der selbstbewussten romantischen Klangsprache des Klarinettenquintetts wirkte dieses Stück beinahe wie ein Innehalten.
Die Stimmen schienen sich ineinander zu verlieren, fein aufeinander abgestimmt und mit großer klanglicher Sensibilität gestaltet. Stellenweise entstand eine geradezu sphärische Atmosphäre. Gerade in den leisen Momenten zeigte sich, wie aufmerksam die Musikerinnen und Musiker aufeinander reagierten.
Brahms als Höhepunkt stärker inszenieren
Nach der Pause: Brahms
Mit dem Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms stand nach der Pause eines jener Werke auf dem Programm, die zu Recht zum Kernbestand der Kammermusikliteratur gehören. Plötzlich war eine ganz andere Energie im Raum.
Das Quintett wurde mit großer Dynamik und innerem Druck gespielt, ohne dass die kammermusikalische Transparenz verloren ging. Besonders das Zusammenspiel von Klavier – hervorragend mit Stefan Irmer besetzt – und den Streichern entwickelte eine bemerkenswerte Intensität.
Doch das Ensemble zeigte auch die andere Seite dieses gewaltigen Werkes. Wo Brahms die Musik zurücknimmt, wurde aus der Energie plötzlich Wärme und Ruhe. Gerade dieser Wechsel zwischen kraftvoller Bewegung und getragenem Innehalten gab der Interpretation ihre besondere Spannung.
Ein gelungener Start in die 29. Saison
Vielleicht lag darin die besondere Qualität dieses Konzertabends: Er setzte nicht allein auf bekannte Namen. Sträßer, Humperdinck und Brahms traten miteinander in einen musikalischen Dialog. Der in Burscheid geborene Sträßer wurde dabei nicht als regionale Kuriosität präsentiert, sondern als eigenständiger Komponist, dessen Musik eine Wiederbegegnung verdient.
Das Publikum nahm diese musikalische Reise begeistert auf. Der lange Applaus am Ende war ein deutliches Zeichen für einen musikalisch überzeugenden Saisonauftakt.
Das Konzert wurde aufgezeichnet. Der Mitschnitt wird demnächst auch auf unserer Homepage zu finden sein.
Die 29. Saison der Odenthaler Kammerkonzerte hat damit einen Auftakt gefunden, der neugierig auf die kommenden Konzertabende macht.
Mit freundlicher Unterstützung des
Wir danken dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) für die Unterstützung dieses Konzertabends.